Wenn ein Kind geboren wird, befindet es sich in der sogenannten Totalkyphose (der Rücken ist hierbei so rund, dass er einem C ähnelt). Die Wirbelsäule des Kindes ist noch gekrümmt wie im Mutterleib. Das Hüftgelenk des Kindes erhält seine eigentliche Form zwar schon im Mutterleib, aber es reift erst vollständig nach der Geburt, da sich die zunächst knorpelartige Masse, aus der das Hüftgelenk besteht, nach und nach in Knochenmasse umwandelt.
Doch wie der Orthopäde Dr. med. Ewald Fettweis sagt: „das ist kein Grund zur Sorge, sondern der Normalzustand“. [1]

Laut Prof. Dr. med. J. Büschelberger sind die Wirbelsäule und das Becken mit den Hüftgelenken durch das Kreuzbein-Darmbeingelenk miteinander verbunden. Die Bewegungen der Wirbelsäule haben direkten Einfluss auf die Bewegungen des Beckens und umgekehrt. Wenn das Kind seinen Rücken runden kann, kippt sein Becken leicht nach vorn, was eine gesunde Entwicklung der Hüftgelenke ermöglicht. Hierbei sollte beachtet werden, dass der Rücken bei Babys runder ist als bei älteren Kindern. Wird hingegen der Rücken des Kindes gerade oder sogar ins Hohlkreuz gedrückt, so kippt das Becken eher nach hinten, was die Entwicklung der Hüftgelenke negativ beeinflussen kann. [2]

Um eine ideale Entwicklung der Hüfte zu garantieren, sollte sie in ihrer Entwicklungszeit noch so wenig wie möglich strapaziert werden. Das ist möglich, indem das Kind seine Beine so oft wie möglich anwinkelt und abspreizt. [3]

Hierbei sollte jeder Oberschenkel 120° (mindestens 90°) im Hüftgelenk gebeugt sein und der Abspreizwinkel sollte bei durchschnittlich 45° liegen [4]. Sind die Knie in Bauchnabelhöhe und die Beine wie im Bild oben gespreizt, befindet sich das Kind in der Anhock-Spreizhaltung [5], die die Oberschenkelköpfe richtig in der Hüftgelenkspfanne positioniert. (Die Hüftgelenkspfanne ist die Gelenkfläche des Darmbeins.) Dank dieser Anhock-Spreizhaltung sind alle Bereiche an der Hüftgelenkspfanne ausreichend und gleichmäßig belastet, wodurch die korrekte Entwicklung der Knochenkerne begünstigt wird.
Schon von Geburt an können Sie Ihr Kind in dieser Position tragen, bei Anzeichen von Hüftdysplasie wird sogar dazu geraten. Das Tragen in dieser Position kann nämlich eventuell unangenehme Orthesen [6], die die Anhock-Spreizhaltung erzwingen, ersetzen.„Nun ist es ja nicht so, dass diese Beugehaltung bei allen Babys nötig ist. Trotzdem sollten Eltern bei der Lagerung ihres Kindes versuchen, sich diesem Optimum anzunähern und vor allem alles vermeiden, was dem entgegen wirkt. Es wird vielfach nicht bedacht, dass durch ungünstige Einwirkungen auf den kindlichen Körper aus gut entwickelten Hüftgelenken geschädigte werden können“. [1]
Nicht umsonst ist die Anhock-Spreizhaltung von der Natur vorgesehen und sollte beim Tragen angewendet werden. Zieht ein Kind doch seine Beinchen automatisch in diese Position, sobald es angehoben wird.
Achten Sie allerdings darauf, dass die Sitzpartie der Trage, welche auch immer Sie benutzen, bis zur Kniekehle Ihres Kindes reichen sollte. Der Rücken muss gut gestützt sein, der darin, je nach Alter und Wirbelsäulenentwicklung des Kindes, gerundet ist. Je jünger das Kind, desto runder ist der Rücken. Passen Sie bitte besonders bei den Kleinsten darauf auf, den Kopf zu stützen. Ist der Rücken ausreichend gestützt, wird er entgegen vieler Annahmen nicht durch das Tragen überfordert, ganz im Gegenteil, tut es der Entwicklung der Wirbelsäule durch die Stärkung der Muskeln sogar gut.
Nicht nur aufgrund etlicher ärztlicher Zusprechungen für die Anhock-Spreizhaltung, sei es von Dr. Ewald Fettweis: „Zur Ausreifung der Hüftgelenke ist nur milde Abspreizung, [...] eine Beugung um 90° sowie die Hemmung der aktiven und passiven Streckung und Anspreizung erforderlich“, was seinen anatomischen Gegebenheiten entspricht; oder von Dr. med. Detlef Bonnemann: „Je häufiger der Säugling diese Position einnehmen kann, desto besser formen sich Dach und Rand der Gelenkpfanne aus“, die anfangs nur aus Knorpeln besteht; sowie Dr. Thomas Oberst, der meint, dass es: „optimal [ist], wenn das Baby mit gespreizten Beinen und angewinkelten Knien im Tragesack [schlummern kann]“, ist es doch in erster Linie das instinktive Verhalten Ihres Kindes, das am besten seine Bedürfnisse widerspiegelt. [7]
Autorin: Annika Kral (Senior Manager Research)
Quellen- und Definitionsverzeichnis:
[1] Dr. Ewald Fettweis: Entwicklung geht nach Geburt weiter, Patienteninformationsportal des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie, zugegriffen am 10. April 2007.
URL: http://www.orthinform.de/new/fachartikel/artikel.php?id=236
[2] Dr. Evelin Kirkilionis: Tragen eines Säuglings - mehr als eine Möglichkeit des „Kindertransportes“, zugegriffen am 10. April 2007.
URL: http://www.didymos.de/cgi-bin/didyhops.pl?kirk99.htm
[3] In der Anatomie ist die Frontalebene eine senkrechte Ebene, die den Körper in die zwei Teile vorn und hinten unterteilt. Die Medianebene ist eine senkrechte Ebene, die den Körper in zwei identische Teile teilt (rechter und linker Teil).
[4] Dr. Evelin Kirkilionis: Ein Baby will getragen sein, Kösel Verlag, 2005, S. 44.
[5] Oftmals ist auch von der Anhock-Spreizstellung, Spreiz-Anhockstellung, Spreiz-Anhockhaltung, Spreiz-Anhockposition, Anhock-Spreizposition oder Sitz-Hockstellung die Rede. Hier wurde sich für den am häufigsten benutzten Ausdruck - die Anhock-Spreizhaltung entschieden.
[6] Eine Orthese ist ein orthopädisches Hilfsmittel, das außen am Körper getragen wird und eine haltungskorrigierende Funktion innehat. Im Falle von Hüftdysplasie werden Orthesen wie die Pavlik-Bandage, Spreizhosen oder Hüftschienen verwendet, die die Beine in die Anhock-Spreizhaltung bringen.
[7] Dr. Ewald Fettweis: Das kindliche Hüftluxationsleiden.
URL: http://www.hueftgelenkdysplasie.de/index2.html
(zugegriffen am 10. April 2007)
Dr. med. Detlef Bonnemann: Über die Hüftgelenksentwicklung bei Neugeborenen. Stand: 03.04.2007.
URL: http://www.kindundgesundheit.de/rund_ums_baby/gesundheit/raus-aus-der-schieflage
(zugegriffen am 10. April 2007)
Dr. Thomas Oberst: Richtiges Tragen fördert die Entwicklung.
URL: http://www.tuev-sued.de/tuev_sued_konzern/presse/service-_und_magazinthemen/baby-tragehilfen_-_geborgen_und_sicher_wie_in_abrahams_schoss
(zugegriffen am 10. April 2007)
Abbildungenverzeichnis:
Abb. 1: http://www.bio-conseil.net/Redactionnel/Divers/art_colonneVertebre.html
Abb. 2: http://www.wyeth.be/images/fr/spondylitis_skeleton.jpg
Abb. 3: Zeichnung von Présence Bouvier
Abb. 4: http://www.distrimed.com/articles/octobre_novembre_2000_01.htm






