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Hüftdysplasie


Der Begriff „Dysplasie“ wird gebildet aus Plasie, vom griechischen plasis, „Vorgang einer Entwicklung/Bildung“ und der Vorsilbe dys, vom griechischen dus, das etwas Fehlendes ausdrückt. Die Dysplasie ist demnach eine Missbildung bei der Entwicklung eines Gewebes oder eines Organs. Die Hüftdysplasie, die mit CDH für die englische Bezeichnung congenital dysplasia of the hip abgekürzt wird, ist eine Sammelbezeichnung für angeborene oder erworbene Fehlstellungen und Störungen der Verknöcherung des Hüftgelenks beim Neugeborenen.[1]

Folgende Abbildungen zeigen ein normal bis schwer geschädigtes Hüftgelenk:


Abbildung A: normales Hüftgelenk
Abbildung B: von Dysplasie betroffenes Hüftgelenk [2]
Abbildung C: von Subluxation betroffenes Hüftgelenk [3]
Abbildung D: von Luxation betroffenes Hüftgelenk [4]
Abbildung E:
Je größer die Schädigung ist, desto weiter (a) und höher (b) befindet sich der Oberschenkelkopf außerhalb der Gelenkpfanne, desto schiefer ist das Dach der Gelenkpfanne (c) und desto abgestumpfter ist ihre Kante (d). [6]


DIAGNOSE
In den meisten Fällen ist von einer alleinstehenden Hüftdysplasie die Rede, die bei weitaus mehr Mädchen (80%) als bei Jungen anzutreffen ist und zudem zu 90% linksseitig auftritt. Ihr häufiges Auftreten innerhalb ein und derselben Familie lässt auf einen vererblichen Charakter der Hüftdysplasie schließen. [7] [8]

Seit das sonographische Screening im Neugeborenenalter eingeführt wurde, konnte die Prognose der Hüftdysplasie erheblich verbessert werden. Die Früherkennung ist in erster Linie eine klinische Untersuchung, die aus verschiedenen Gründen vorgenommen wird, beispielsweise wegen familiärer Präzedenzfälle (ein Erbrisiko ist vorhanden); wegen geographischer Herkunft (in Frankreich zum Beispiel ist die Bretagne das Gebiet, in dem Hüftdysplasie am häufigsten auftritt); aufgrund einiger Komplikationen bei der Geburt (Steißgeburt, Missbildung oder falsche Lage der Beine oder Füße); bei Seitenungleichheit der Pofalten; bei Schiefstellung des Beckens oder bei einer vorstehenden oder bewegungseingeschränkten Hüfte. [9]

Die Ultraschalluntersuchung der Hüfte hilft bei der Diagnose. Vor den ersten viereinhalb Monaten ist sie sehr zuverlässig und bewertet die Stabilität der Gelenke in Echtzeit. Ab viereinhalb Monaten bestätigen die frontalen Röntgenaufnahmen des Beckens eine eventuell ernsthafte oder risikohafte Diagnose. Wenn trotz Verdachts auf Hüftdysplasie die Röntgenaufnahme normal ist, kann die Diagnose auch anhand anderer Strahlenuntersuchungen wie MRT (Magnetrosanztomographie), Szintigraphie oder eventuell CT (Computertomographie) ermittelt werden.


BEHANDLUNG
Die zur Heilbehandlung zur Verfügung stehenden Mittel sind sowohl orthopädischer als auch chirurgischer Natur. Begonnen wird meist mit der orthopädischen Behandlung, die daraus besteht, das Neugeborene breit zu wickeln oder orthopädische Geräte wie Spreizhosen zu benutzen, die die Oberschenkel des Babys auseinander spreizen (Von-Rosen-Splint, Pavlik-Bandage...) [10] Wenn die Diagnose erst später erfolgt, wird das Kind mittels Spreizgips behandelt, bei dem das Kind vom Becken bis zum Fuß auf der betroffenen Hüftseite eingegipst wird. Der Zweck hiervon ist es, die endgültige Verknöcherung des Hüftgelenks, die zwischen dem dritten und dem sechsten Monaten eintritt, in einer für das Hüftgelenk gesunden Position zu erzielen. Dank all dieser Mittel und der Früherkennung, besteht die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs (Osteotomie des Beckens und/oder des Oberschenkels) nur selten.

Wenn schwere Formen der CDH nicht behandelt werden, kommt es zu bleibenden Schäden des Hüftgelenks. Folgen hiervon sind Schmerzen oder Gangstörungen wie Hinken und im Endzustand kann CDH auch zur Hüftgelenksarthrose führen. Leichtere Formen weisen keine Schmerzen auf.


DAS TRAGEN IN DER ANHOCK-SPREIZHALTUNG ALS VORBEUGUNG
Hüftdysplasie tritt sehr häufig in mediterranen und skandinavischen Ländern auf. In Deutschland beispielsweise ist die Hüftdysplasie mit ca. 4% die häufigste angeborene Skelettfehlentwicklung. In andern Teilen der Welt hingegen wie in China oder Afrika ist sie so gut wie unbekannt. Dies ist unter anderem auf die dort vorhandene Tragekultur zurückzuführen, bei der diese Völker ihre Kinder nahezu ganztägig mit gebeugten und abgespreizten Beinen am Körper tragen.

Da die bei dieser Trageweise eingenommene Sitzposition exakt der Abspreizung und Anwinkelung entspricht, die von den hierzulande vorhandenen orthopädischen Hilfsmitteln empfohlen wird, scheint das Tragen in dieser Position, die als Anhock-Spreizhaltung bezeichnet wird, ein gutes Mittel zu sein, um Hüftgelenksdysplasien vorzubeugen. [11]


Autorin: Annika Kral (Senior Manager Research)

Quellen- und Definitionsverzeichnis:

[1] Wikipedia, die freie Enzyklopädie: Hüftdysplasie. Stand: 09.04.2007.
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Hüftdysplasie
(zugegriffen am 23. April 2007)

[2] Auch Hüftgelenksdysplasie oder Dysplasie der Hüfte genannt.

[3] Eine Subluxation ist eine unvollständige Luxation.

[4] Eine Luxation ist eine schwere Schädigung eines Gelenks, bei der zwei durch ein Gelenk miteinander verbundene Knochen nicht nur zueinander verdreht, sondern verschoben sind. Umgangssprachlich wird das Luxieren eines Gelenkes als Auskugeln bezeichnet. [5]

[5] Wikipedia, die freie Enzyklopädie: Luxation. Stand: 08.01.2007.
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Luxation
(zugegriffen am 23. April 2007)

[6] Association „Porter son bébé“ (Verein „Sein Baby tragen“): Luxation congénitale de la hanche (angeborene Hüftluxation).
URL: http://www.portersonbebe.com/cas-particuliers/luxation-congenitale-de-la-hanche.html
(zugegriffen am 23. April 2007)

[7] Creating Chiropractic Community: Roentgen Report: Congenital Hip Dislocation (Roentgen Bericht: Hüftdysplasie). Stand: Februar 1991.
URL: http://www.chiroweb.com/archives/09/03/15.html
(zugegriffen am 23. April 2007)

[8] Société Française d’Orthopédie Pédiatrique, Bébé et sa hanche : à suivre de très près !, Communiqué de presse, 24 mars 2006
http://www.sofcot.com.fr/03-espace-grand-public/publication/432.pdf

[9] Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg: Hüftgelenksluxation bzw. Hüftreifungsstörung (Dysplasie)
URL: http://www.orthopaedie.uni-hd.de/Patienteninfo/Erkrankungen/hueftgelenksluxation.htm
(zugegriffen am 23. April 2007)

[10] Orthoseek, the source of authoritative information on pediatric orthopedics and pediatric sports medicine (Orthoseek, die Referenz für kinderärztliche Orthopädie und kinderärztliche Sportmedizin): Hip Dysplasia. (Hüftdysplasie.)
URL: http://www.orthoseek.com/articles/hipdys.html
(zugegriffen am 23. April 2007)

[11] Dr. med. Ewald Fettweis: Hüftdysplasie: Sinnvolle Hilfen für Babyhüften, Trias, Stuttgart 2004, S. 34.

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